Vera Chimscholli ihr sein TextBlog

Pump it up

Posted in Alltag, Kurioses, Leben, W wie Vera, Werbung by Vera Chimscholli on Dienstag, April 15, 2008

Der Kunde ist König. Dieser Gedanke einer omnipräsenten Monetärmonarchie schwingt ja schon permanent mit, wenn man in unserer Branche seinen Dienst leistet. Sobald der Kunde also einen Wunsch äußert, ist der eben Befehl. Und so kam es, dass ich mein Wochenende nicht beim ADC, sondern in Essen verbrachte.

Dort trafen sich alle Körperkultigen auf Europas größter Fitnessmesse. Auch da wimmelte es nur so von schönen und schön gemachten Menschen, deren oberstes Ziel die Präsentation ist; die Präsentation des eigenen Selbst.

Mehrere Hundert radelten dort zum Beispiel in einer Halle auf der Stelle und folgten keuchend und schwitzend gebrüllten Kommandos dreier Vorfahrender auf einer Bühne. Nur einige Meter weiter absolvierte eine ähnlich große Gruppe liegend ihr Leibesertüchtigungsprogramm, natürlich freudig beäugt von einer mindestens ebenso großen Schar überwiegend männlicher Messebesucher. So und so ein amüsanter Anblick.

Der bot sich schon vor dem Betreten der Messe. Während wir in der Schlange Richtung Kassenhäuschen, eingehüllt in dicke Jacken und Schal gegen den Frühlingstag, der nichts dafür tat, diese Bezeichnung zu verdienen, warteten, fiel auf, dass vor, neben und hinter uns jede Menge Männer eher mittlerer Größe standen, die außer einem viel zu kleinen, ärmellosen T-Shirt oben herum nichts weiter trugen. Massiges Fleisch, wohin das Auge blickte. Reflexartig fragte ich den Berater an meiner Seite: »Machen anabole Steroide auch kälteunempfindlich?« Sein durch die Zähne gezischtes »Pst, still. Bist Du verrückt?!« gemahnte mich an einen weiteren Aspekt und so entgegnete ich, »Stimmt, die machen ja auch aggressiv.« Mein Kollege wurde blass, während die Umstehenden weiter vor sich hin stierten. Taubheit steht demnach auch auf dem Beipackzettel.

Die wünschte ich mir auch, nachdem wir die erste Halle betreten hatten. Eine Kakophonie aus 120 bpm Remixen empfing uns. Es gab jedoch keinen anderen Weg. Wir mussten durch diese Halle der Kraftsport-Szene, um an unser Ziel zu gelangen. Und da waren sie dann, die Kraft-Mensch-Meier.

In jeder nur erdenklichen Größe, doch nicht immer von klar zu definierendem Geschlecht.

Jedoch stets in dem Bewusstsein, dass es sich um eine Verkaufsmesse handelt, also P.O.Sen.

Interessant war vor allem die Standgestaltung. Während große Anbieter in den übrigen Hallen alles aufboten, was Messebauer zur Zeit möglich machen können, begnügte man sich in Halle 10 mit dem Nötigsten.

Wobei dieser Käfig, der unzählige Trainierende beherbergte, schon wieder gut ist, weil er das Thema konsequent bis zum Ende spielt.

Nach viel Gedränge und noch mehr nackten Körpern erreichten wir schließlich doch noch den Ausgang der Halle und den Zugang zur nächsten. Zwischen den beiden lagen die WCs; und ich bin mir sicher, dass man mit dem Urin, der dort an einem Tag durch die Rohrleitungen gegangen ist, ein Kälbchen binnen 48 Stunden in einen Zuchtbullen verwandeln könnte.

Als wir endlich am Stand unseres Kunden ankamen, der übrigens Trainingsgeräte für therapeutische Zwecke herstellt, und ich schon freudig durchatmen wollte, rempelte ausgerechnet er mich an und ging breit und grinsend weiter.

Was für ein Tag.

Bis dann dann
Eure Vera Chimscholli

2 Antworten

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  1. eigenart said, on Mittwoch, April 16, 2008 at 22:14

    Danke für Ihren mutigen Ausflug in die Parallelgesellschaft!

    Sie haben die angerempelte Stelle hoffentlich gleich ordentlich gewaschen. Ich habe mal gehört, dass solche Kontakte bei Frauen zu spontanem Bartwuchs führen können.

  2. Vera Chimscholli said, on Donnerstag, April 17, 2008 at 07:11

    Auf den Zähnen, ja.


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