Vera Chimscholli ihr sein TextBlog

Wahrheiten. Acht. Zu mir. Hier.

Posted in Stöckchen by Vera Chimscholli on Dienstag, Juli 10, 2007

Als ob das nicht reichen würde, kommt nun ein weiterer Seelenstripstock von hier geflogen. Touché, Ninifaye.

Also, kurz und schmerzlos, Augen zu und durch.

#1
Wahrheiten sind mir suspekt. Eine gut erzählte Geschichte ist mir lieber als jedes Abbild der Realität.

#2
Aus purer Neugier habe ich mal auf Unterwäsche verzichtet. Nach etwa einem Jahr wusste ich, dass das auf Dauer nichts für mich ist. (»Ich bin nicht schlecht – ich bin nur so gezeichnet«)

#3
Herr Seidel, jetzt muss ich es wohl sagen: Ich war’s! Es tut mir Leid.

#4
Es fällt mir schwer, meine Finger vom Kühlschrank zu lassen. Wenn ich abends um acht bereits zum vierten Mal hineinschaue, sollte ich doch eigentlich wissen, was drin ist. Dennoch gehe ich immer wieder hin, öffne ihn und schaue nach, ob er inzwischen aufgefüllt wurde und neue, interessante Dinge hinzugekommen sind. Könnte ja sein.

#5
Ich wurde missbraucht. Von meinen Mitschülern in der zwölften Klasse. Zum LPs Klauen. Weil ich zu dieser Zeit vom Schwimmen ein breiteres Kreuz als die Jungs in meiner Klasse hatte (wer ist Kristin Otto?), nahmen sie mich immer mit, gingen mit mir in die Musikabteilung eines Kaufhauses und schoben mir so manches Musikschätzchen von hinten unter die Jacke. Beim Hinausgehen musste ich immer einen Schwächeanfall simulieren, damit sie mich stützen die LPs in meinem Rücken halten konnten.

#6
Der Mann, mit dem zusammen zu sein ich mir mehr als alles andere auf der Welt gewünscht hatte, war meine größte Enttäuschung. Und das nicht etwa, weil er sich daneben benommen hätte. Er schmeckte einfach nur furchtbar. Sein Kuss war unerträglich. Zu jeder Tageszeit.

#7
Mit etwa zwölf Jahren habe ich einen Spatzen erschossen. Wir waren zum Spielen auf dem Hof eines Klassenkameraden, dessen Eltern eine Obstplantage führten. Deren Sohn kam auf einmal mit dem Luftgewehr des Vaters aus dem Haus und wir verdrückten uns unter die Apfelbäume. Reihum legte jeder auf etwas an und schoss. Als die Reihe an mir war, hielt ich das Gewehr in die Luft und sah in vielen hundert Meter Entfernung einen kleinen Schwarm Vögel. In der festen Überzeugung, das Gewehr würde nie bis dort hinauf reichen, hielt ich es in Richtung des Schwarms und drückte ab. Unmittelbar darauf löste sich ein Vogel aus der Formation und fiel unkontrolliert mit den Flügeln schlagend zu Boden. Mir wird heute noch genau so schlecht wie damals, wenn ich nur dran denke.

#8
Ich liebe die Schlussszene(n) der „Waltons„.

Mehr Licht ins Dunkel bringen baumgarf und leonope, wenn sie mögen.

Bis dann dann
Eure Vera Chimscholli

12 Antworten

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  1. eigenart said, on Dienstag, Juli 10, 2007 at 11:55

    Ich lese #2 mal mit der Aussage aus #1 im Hinterkopf…. Hmmm, 1 Jahr ohne Unterwäsche als Selbstversuch ist so suspekt, dass es stimmen muss…

    Und bei #5 sieht man mal wie sich die Zeiten geändert haben. Früher brauchte man mal ein breites Kreuz, um einen überdimensionalen Tonträger zu entwenden. Handliche CDs vereinfachten die Sache. Und MP3s sind die Krönung des Ganzen… deshalb wird jetzt auch so viel Musik einfach geklaut… weil so wenig Material drumherum ist.

  2. verachimscholli said, on Dienstag, Juli 10, 2007 at 13:35

    Sind es nicht meist die delikaten Angelegenheiten, die stimmen?

    Das mit dem Mehrklau auf Grund ausgeprägter Minimalismustendenzen stimmt natürlich. Vielleicht ist das auch die Erklärung dafür, dass es immer mehr Material drumherum gibt; sinnvoll oder nicht.

  3. Paul said, on Dienstag, Juli 10, 2007 at 14:31

    #4 kenne ich nur zu gut 😀

  4. Ninifaye said, on Dienstag, Juli 10, 2007 at 17:38

    Das Blogotop wird mir umheimlich. Ich wurde auch zum Leistungsschwimmen getrieben. Und verfluche meine Eltern heute noch für die xte Bluse, die ich deshalb nicht zukriege.
    Und: #6 hatte ich mal in umgekehrt. Der größte Idiot der Stadt mit dem leckersten Geschmack (leicht zimtig…).
    Wurden wir evtl. bei der Geburt…?…naja…

  5. verachimscholli said, on Dienstag, Juli 10, 2007 at 17:48

    Sie meinen, Sie ein Lottchen, ich ein Lottchen?
    Nun, Kästner war auch Werber; aber geschrieben hat er’s ’49, wenn ich mich nicht irre.
    Humbug, ich fasle rum.

  6. Ninifaye said, on Dienstag, Juli 10, 2007 at 19:08

    Gepflegtes Rumgefasele vorm Feierabend. Das lob ich mir.

  7. verachimscholli said, on Dienstag, Juli 10, 2007 at 19:31

    Da hammse recht. Das ist ein wenig wie Sandsäcke abwerfen beim Ballonfahren. Man will ja schließlich noch irgendwohin.

  8. Patrick said, on Dienstag, Juli 10, 2007 at 19:34

    #7 habe ich haargenau so auch durch. Nur war es bei mir kein Spatz sondern ein äh anderer Vogel. Und es war kein Schwarm sondern ein Einzelner auf einem Baumwipfel. Und keine Obstplantage. Und nicht mein Klassenkamerad. Aber sonst genau so.

    Haben Sie Ihren Vogel danach gefunden?

  9. Leonope said, on Dienstag, Juli 10, 2007 at 22:25

    Brennholz für den Winter

    Heute habe ich eine exquisite Ladung Edelholz geliefert bekommen und mich gleich ans Zerkleinern gemacht.

  10. verachimscholli said, on Mittwoch, Juli 11, 2007 at 09:13

    @ Patrick
    Entgegen der Überzeugung vieler, ich hätte den Vogel, kann ich hier versichern (passend zu den Wahrheiten), er wurde nicht gefunden.
    Zwar habe ich seinerzeit lange nach ihm gesucht, da er jedoch über einem Gebiet endlos weiter Äcker und Felder abgestürzt ist, war es aussichtslos.

  11. Patrick said, on Mittwoch, Juli 11, 2007 at 11:08

    Dann lebt(e) er bestimmt noch. Das rede ich mir zumindest ein, weil ich meinen danach auch nicht gefunden habe. Doch, doch so muss es gewesen sein …

  12. verachimscholli said, on Mittwoch, Juli 11, 2007 at 11:26

    Im mir selber etwas einreden bin ich extrem unbegabt. Ich glaube mir nix; deshalb wird mich der Gedanke an den zwischen groben Erdklumpen und Unkraut dahinsiechenden Vogel bis zu dem Tag verfolgen, da er mir weißlich schimmernd gegenüber hockt, um mich an diese Sünde zu mahnen.


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