Vera Chimscholli ihr sein TextBlog

Badefreuden

Posted in Kurioses, Leben, Missgeschicke, Schönes, W wie Vera by Vera Chimscholli on Freitag, Juli 6, 2007

Den Vormittag zur freien Verfügung. Doch was mache ich damit? Rumgegammelt habe ich in jüngster Zeit wahrlich genug. Also entschließe ich mich zu einem Schwimmbadbesuch.

Wie eine angeschlagener Boxer, so hänge ich mit ausgebreiteten Armen am Beckenrand und lasse meinen gepeinigten Rücken von einem pulsierenden Wasserstrahl knapp unter der Wasseroberfläche bearbeiten. Dieser Platz gehört mir, hier kriegt mich keiner weg. Selbst unsichere Schwimmer, die sich ängstlich am Rand festhalten und so ihre Runden durchs Becken drehen, können mich nicht erweichen, dieses Wohltat-Fleckchen auch nur für einen kurzen Moment preiszugeben. »Besorgt Euch Schwimmflügel«, denke ich, schließe aber lieber die Augen, aus Angst vor dem bösen Blick der Achtzigjährigen, die gerade prustend einen Bogen um mich macht.

Nachdem sie weitergetrieben ist und wieder an der Rinne hängt, öffne ich die Augen. Schließlich bietet mein Platz nicht nur körperliche Vorteile, sondern verfügt durchaus auch über optische Reize. Denn die Unterwassermassagedüse befindet sich direkt gegenüber der großen Einstiegstreppe ins Becken. Jeder, der hinein will, muss an mir vorbei. Insofern also vielleicht doch ein körperlicher Vorteil.

Doch die ersten Einsteigenden belehren mich eines Besseren. Ein Freitagvormittag ist im Schwimmbad nicht die Zeit für attraktive Männerkörper. Schließlich nähert sich ein Enddreißiger. Über der linken Schulter trägt er eine große Umhängetasche und darüber baumeln mindestens vier große Badehandtücher. In der linken Hand hält er einen gelben Schwimmring mit Gurtsystem in der Mitte. So ein Teil, in das man Säuglinge hängt. Den passenden Knirps dazu trägt er auf dem Arm – nicht älter als sechs Monate. Mich beschleicht das Gefühl, als hätte ich zur Zeit ein Abo auf das Thema Kinder.

Bedächtig nähert sich der Enddreißiger der Treppe. Dabei redet er unaufhörlich mit dem Zwerg auf seinem Arm, der jedoch mit weit aufgerissenen Kulleraugen gen Wasseroberfläche starrt. Der Papa – ich nehme mal an, er war es – redet weiter und nimmt die erste Stufe. Lächelnd setzt er seinen Weg fort, mit jeder Stufe tiefer ins Wasser.

Völlig fasziniert hatte ich auf die Reaktion des Kindes geachtet. Deshalb merke ich erst jetzt, gleichzeitig mit dem Papa, dass dieser noch die Umhängetasche mitsamt aller Handtücher über der Schulter trägt und bereits zu zwei Dritteln im Chlorwasser versenkt hat. Der eilig angetretene Rückzug kommt zu spät. Tasche nass. Handtücher nass. Kind glücklich. Das jähe Ende eines Badetages.

Aber mir hat’s Spaß gemacht.

Bis dann dann
Eure Vera Chimscholli

3 Antworten

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  1. eigenart said, on Freitag, Juli 6, 2007 at 15:56

    Und ich sach noch „Kinder sind super… für Außenstehende.“

  2. verachimscholli said, on Freitag, Juli 6, 2007 at 16:00

    Na, in dem Fall war ich ja mittendrin und trotzdem außen vor … wissense, wat ich mein? Ja, ne? Hauptsache.

  3. eigenart said, on Freitag, Juli 6, 2007 at 16:36

    Immerhin.


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