Vera Chimscholli ihr sein TextBlog

Nur mal so gefragt

Posted in Alltag, Arbeitsweisen, Kreativität, Werbung by Vera Chimscholli on Dienstag, April 17, 2007

Da ich weiß, dass hier einige Puffpianisten und Arter mitlesen, möchte ich diesen Weg mal nutzen, um ein wenig Feldforschung zu betreiben. Und darum geht’s:

In letzter Zeit drängt sich mir während meiner täglichen Arbeit der Verdacht auf, als käme das gute alte Skribble mehr und mehr aus der Mode.

So eine dahin gepfefferte Strichmännchen-Zeichnung gab sogar mir die Möglichkeit, der Bildfraktion meine Motivgedanken näher zu bringen. Und nachdem dann alle herzlich über mein Fünfjährigen-Niveau überschwänglich abgelästert hatten, konnte zum konstruktiven Teil übergegangen werden.

Das hieß, die Zeichnung war freigegeben für Jedermann; alle durften darauf rumkritzeln, ändern, streichen, verbessern. So entstand etwas weitestgehend Gemeinsames in den Köpfen aller; ließ aber noch genügend Raum für Eigenes.

Mittlerweile scheint es so zu sein, als würden die Skribbles von mehr oder minder fertigen Layouts zu Grabe getragen. Schon beim ersten Palaver kommen oft durchgestaltete Motive auf den Tisch, in denen eine Headline schon ihren festen Platz hat und auch andere Elemente auf ein Gewohnheitsrecht pochen.
Anfassen? Drauf zeichnen? Um Gottes Willen, wage es ja nicht.

Das ist schade, weil es so viele Möglichkeiten nimmt.

Und anderswo?

Bis dann dann
Eure Vera Chimscholli

11 Antworten

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  1. ramses101 said, on Dienstag, April 17, 2007 at 13:56

    Ein absoluter Kreativitätskiller ist das. Ich weiß auch gar nicht, wer damit angefangen hat. Aber wenn wir uns hier nach dem ersten Jeder-für-sich-Nachdenken zusammensetzen, dann haben alle Arter ihre fertigen Layouts dabei – nur ich bin mit wilden Scribbles am Start. Und behaupte einfach mal: Mit den definitiv kreativeren Ansätzen, weil ich mich eben nicht künstlich dadurch blockiere, dass es meine Bildidee schon irgendwo bei Getty und Co geben muss, damit ich sie umsetzen kann.

    Umgekehrt geht dann gleich das Gestöhne los: „Boah, versuch da mal Bilder zu finden.“ Ich bin da ja der ganz altmodischen Meinung, dass der Rechner erst angeschmissen wird, wenn die Anzeige im Prinzip fertig ist. Dann bleibt nämlich auch der ganze nebensächliche Layoutquatsch auf der Strecke. Reduce to the max. Will nur keiner mehr hören.

  2. eigenart said, on Dienstag, April 17, 2007 at 14:35

    Extrem wird es, wenn man für die unterschiedlichen Medien nur noch die entsprechende Seite des CD-Manuals auf den Kopierer werfen muss, der Texter einen Blick in die mitgelieferte Nomenklatur wirft, wie der Text auszusehen hat, oben das vorgegebene KV zur Vermarktung des gewünschten Produkts (natürlich bundesweit einheitlich) einsetzt und das ganze dann von der Kommunikationsabteilung des Konzerns absegnen lässt.

    Man fragt sich, wofür manche Kunden Agenturen benötigen…

    Das von Ihnen Beschriebene kenne ich auch… bei uns ist allerdings ganz klar, dass wir von oben beschriebenem Kunden verhunzt wurden.

  3. verachimscholli said, on Dienstag, April 17, 2007 at 15:43

    Meine Herren, Sie haben mir den Tag gerettet: Ich bin nicht allein. Das tröstet.

  4. leonope said, on Dienstag, April 17, 2007 at 15:58

    @eigenart…“manche“ Kunden „halten“ sich eine Agentur deswegen, um

    a) im Falle eines Flops einen Schuldigen zu haben auf den sie dann eindreschen können um von der eigentlichen Verantwortung abzulenken 😉

    und

    b) oft selbst keine wirkliche Ahung davon haben was da „draussen“ abgeht 🙂

  5. Thies said, on Dienstag, April 17, 2007 at 15:59

    Ich entsinne mich einer lange zurück liegenden Präsentation (beim Kunden), bei der der damalige Marketingleiter der Firma E. zum vom Hause neu angeschafften Zoom-Farbkopierer eilte und das Logo aus dem Doppelseiten-Layout auf 141% zoomte, da dann noch mal machte, das Endergebnis ausschnitt und ins Ursprungslayout klebte. „Sehnse, geht doch.“
    Und damit war das Wettrüsten eröffnet…

  6. Ulli Kiebitz said, on Mittwoch, April 18, 2007 at 14:07

    Nicht zu vergessen: die Kreativleitung fordert die lieben Grafiker immer auf, nur Ideen abzuliefern und sie verbietet ihnen, sich an den Rechner zu setzen. Und die Grafiker freuen sich, gerade die aus der alten Schule, und zeichnen sich die Finger wund. Die Ideen werden präsentiert – und dann kommt sie unweigerlich, diese Frage: „Und wie sieht das jetzt im Layout aus, warum haben Sie noch nichts vorbereitet?“
    Nicht zu vergessen, der nächste Wahnsinnsschritt. Die Grafiker layouten mal eben was, sagen ausdrücklich „Das isn Layout“ und bekommen trotzden einen drauf, weil Striche und Farben nicht miteinander abschließen.

  7. eigenart said, on Mittwoch, April 18, 2007 at 15:15

    „Ist das ein Layoutbild?“

    „Nein, das ist aus dem Shooting.“

    „Aber es gab doch noch gar kein Shooting…“

    „Was sollte die Frage denn dann?“

  8. Ninifaye said, on Donnerstag, April 19, 2007 at 10:17

    ADeuse: „O.K., ich hab hier mal ein Grobkonzept gelayoutet.
    Beratung: Hmm, ist das die CI-Farbe?
    ADeuse: Nein, aber es dient auch nur der Vernaschaulich…
    Beratung 2: Der Balken war sonst immer breiter…
    ADeuse: Es geht ja auch erstmal nur um das Moti…
    Beratung 3: Ich weiß nicht. Das wirkt irgendwie nicht stimmig.
    (…)
    Wir haben uns jetzt einen Kasten Wachsmaler gekauft und scribblen nur noch.

  9. Ulli Kiebitz said, on Donnerstag, April 19, 2007 at 11:59

    @Ninifay: Gibt’s die Wachsmaler denn jetzt schon in Pantone-Tönen?

  10. Ninifaye said, on Donnerstag, April 19, 2007 at 13:09

    Nee, aber die Copics haben uns die rosa Elefanten aus der Property weggenommen. Angeblich würden wir zuviel daran schnüffeln. Pffft…

  11. wortteufel said, on Mittwoch, April 25, 2007 at 12:45

    „Sieht das Logo in der Anzeige dann auch so gemalt aus?“

    „Nein. Das ist nur ein Scribble und soll lediglich die erste Idee anskizzieren.“

    „Ich finde die Idee mit dem gemalten Logo aber nicht so gut.“


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