Vera Chimscholli ihr sein TextBlog

Was vom Wochenende übrig blieb

Posted in Verpackung, W wie Vera, Wie?, Wirres by Vera Chimscholli on Montag, Januar 29, 2007

Nun, der Schnee war es nicht.
Dennoch spielte er an meinem Wochenende eine ganz entscheidende Rolle.

Einer Einladung von Freunden zum verspäteten Samstagsfrühstück folgend, verbrachte ich den großen Teil des Sabbats im Kreise einer Familie.

Die Kinder ließen sich nur kurz von meinen mitgebrachten Süßigkeiten ablenken und konzentrierten sich danach wieder mit aller überbordenden Energie auf ihr selbst gestecktes Ziel für diesen Tag: Schlittenfahren.

Nach einem anscheinend bereits erprobten und ausgeklügelten System, überzogen sie ihren Vater abwechselnd mit ihrer Litanei des Spaziergangs im Schnee. Alle rationalen Erklärungsversuche Papas, die gerade mal zwei Millimeter starke Schneedecke eigne sich nicht sonderlich gut dazu, die Kufen des Holzgefährtes mit zwei Kindern darauf gleitend durch die Landschaft zu bewegen, scheiterten ein ums andere Mal an der Hartnäckigkeit der Zöglinge.

Und so fanden wir uns kurz darauf in Schals und Mützen gehüllt im Freien wieder. Jauchzend trieben die beiden Jungs ihren Erzeuger an, der sich als Zugpferd vor den Schlitten mit Namen „Davos“ gespannt hatte.

Zumindest für den Teil des Weges, an dem dunkelgrauer Asphalt durch die weißen Kristalle blitzte, hatte Papa seinen Jungs eine Marscherleichterung abringen können. Dann verließen sie das Gefährt murrend, um sich kurz danach mit ihrem Fliegengewicht wieder darauf plumpsen zu lassen.

Am Zielort angekommen, zeigte sich die Jugend erstaunlich einsichtig. Da der angesteuerte Hügel mehr einem Modder- als einem Rodelberg glich, ließen die Jungs den Schlitten Schlitten sein, und wir konnten uns allmählich auf den Heimweg machen.

Währenddessen hatte ich meine liebe Not damit, dem jüngeren der beiden in kindgerechten Metaphern zu erläutern, weshalb man gelben Schnee nicht lutschen sollte. Der Hinweis, dass Kekse und Kakao doch viel besser schmecken würden, und die gäbe es schließlich gleich daheim, war schlussendlich wohl der überzeugende.

Zum Abschluss unseres Winterspaziergangs auf Puderzuckerüberzug trafen wir uns alle in der Küche. Die Kinder hatten ihre Schneeanzüge, in denen sie wie bunte Michelin-Männchen ausgesehen hatten, vor die Heizung geworfen und liefen in Strumpfhosen durchs Haus. Wahrscheinlich würde die Zeit, in der sie diese Dinger um nichts in der Welt mehr freiwillig anziehen würden, erst noch kommen.

Einer der beiden musste plötzlich unbedingt etwas an der Küchenspüle erledigen. Und seit diesem Moment hat das Wort „Arschgesicht“ eine viel freundlichere Bedeutung für mich.

winnie-po.jpg

Bis dann dann
Eure Vera Chimscholli

4 Antworten

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  1. eigenart said, on Montag, Januar 29, 2007 at 14:21

    Wie heißt der nochmal? „Winnie the Poop“, oder?

    Und was gelben Schnee angeht – bei Kindern nie drumrumquatschen… einfach raus damit – oder noch besser „das Kind bei anderen anschwärzen“:

    „Der XY lutscht Hundepipi-Eis!!! Der XY lutscht Hundepipi-Eis“ funktioniert bestimmt perfekt. Nicht vergessen, das Ganze penetrant oft in nervigem Singsang zu wiederholen…

  2. Ninifaye said, on Montag, Januar 29, 2007 at 17:18

    Sieht von hier irgendwie aus wie Erwachsenentorso auf Kinderpopo montiert.
    Oder es ist eine sehr ungnädige Form des Gigantismuses…

  3. verachimscholli said, on Montag, Januar 29, 2007 at 17:36

    Der arme Kleine. Wahrscheinlich ist dieser Eindruck eher meinen spärlichen Fähigkeiten als Photokünstlerin zuzuschreiben.

  4. Ulli Kiebitz said, on Dienstag, Januar 30, 2007 at 12:29

    Sehr subtil, Frau Vera, sehr subtil. Am Wochenende fand das Weltwirtschaftsforum in Davos statt. Und sie kritisieren sehr subtextig die Kritiker des Forums. Die Großen würden von den Kleinen gezwungen, sie durch die Misere zu ziehen, obwohl der Weg dafür offensichtlich nicht gangbar ist. Eine solche herrschaftsgläubige Haltung hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut. Und dann huldigen Sie auch noch dem Kulturkonservatismus, indem Sie auf das Schneekapitel von Manns Zauberberg verweisen. Doch vielleicht ist das alles auch eine höhere Form von Ironie. Schließlich zitieren Sie auch den ausgewiesenen und leider zu früh verstorbenen Kultur- und Republikaner-Kritiker Frank Zappa: http://www.last.fm/music/Frank+Zappa/_/Don't+Eat+the+Yellow+Snow Und schließlich zünden Sie gegen Ende noch eine Arschgesicht-Rakete. Frau Vera, wofür stehen Sie denn nun? Und im Übrigen: Verträgt sich der Sabbat eigentlich mit Schlittenfahren? In diesem Sinne: Shalom.


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