Vera Chimscholli ihr sein TextBlog

Jäger & Sammler

Posted in W wie Vera, Welt, Wirres by Vera Chimscholli on Montag, Dezember 18, 2006

Wii sehr wir auch heute noch auf der Jagd nach dem Neuen sind, ließ sich in den zurückliegenden Tagen in diversen Blogs nur zu deutlich mitverfolgen. Mein Glückwunsch an alle, die trotz künstlicher Verknappung ein Objekt ihrer Begierde ergattern konnten.
Dass „natürliche“ Verknappung durchaus in der Lage ist, einen ähnlichen Effekt bei einem vom Virus Haben-Wollen Infizierten auszulösen, durfte ich in den vergangenen drei Tagen hautnah miterleben. Die Zeit schafft nämlich das, wofür Marketingabteilungen nebst eingekaufter Werbeagenturen nächtelang teamweise grübeln, ohne großen Aufwand. Es dauert eben nur ein bisschen.

Während des Wochenendes, plus einem Urlaubstag, war ich mit einem Freund unterwegs, dem es mittels der Zauberformel des 21. Jahrhunderts gelungen war, Besitzer zu werden. Drei-zwei-eins war es seins, das Karmann-Ghia Cabriolet und musste natürlich binnen kurzmöglichster Zeit in die heimatliche Garage geholt werden. Einmal durch die ganze Republik führte der Weg, von Nord nach Süd, und wieder zurück. Meine Rolle bei dieser Unternehmung war dabei die einer Entertainerin auf dem Beifahrersitz. Zwischendurch war ich dann auch Kellnerin für den Kaffee aus der Thermoskanne, Navigationssystem aus Fleisch und Blut, Permanentwecker und willfährige Rezipientin diverser Autogeschichten. Die Story vom ersten Mal auf dem Rücksitz war selbstverständlich ebenso darunter, wie die vom Porsche versägenden VW Käfer und mannigfaltige Ratschläge zum richtigen Auftragen des von Hand angemischten Originallackes. Ich weiß jetzt vieles, von dem ich gar nicht wusste, dass ich es wissen wollte. Aber dieser Zustand ist auf Grund meines Berufes ja nichts Neues. Neu hingegen war mir, wie sehr Besitz binnen kurzer Zeit verändern kann. Fand ich auf der Hinfahrt noch einen pubertierenden Jungen auf dem Fahrersitz vor, der vor lauter Aufregung den Hintern kaum stillhalten konnte, war es auf dem Weg nach Hause auf einmal ein in sich ruhender Mann, der mit souveränem Blick und ebensolchen Handgriffen das Gespann aus Zugmaschine und Antikkarosse auf dem Hänger gen Norden steuerte. Auch die dichtesten Nebelbänke, denen wir unterwegs immer wieder begegneten, brachten ihn nicht aus der Ruhe. Während selbst ich inzwischen anfing, mir angstvoll auszumalen, was dem betagten PKW da hinter uns in dieser Suppe alles passieren könnte, ließ dies seine Konzentration augenscheinlich nur wachsen. Eine beeindruckende Demonstration der These von der beruhigenden Wirkung des Geldes. Schon beneidenswert.

Bis dann dann
Eure Vera Chimscholli

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