Vera Chimscholli ihr sein TextBlog

Kindermund

Posted in W wie Vera by Vera Chimscholli on Donnerstag, November 16, 2006

Es ist erstaunlich, wie viel wir von Kindern lernen können.

Wohl als Reminiszenz an die Fußball WM schauen wir die Spiele der EM-Qualifikation immer gemeinsam in größerer Runde. Mittlerweile ist das so ein Gewohnheitsding.
Gestern war Simone dran, uns ihr Wohnzimmer und ihren Kühlschrank zur Verfügung zu stellen. Sie hatte sogar einen Käseigel gemacht – eine halbe Pampelmuse, deren Rücken mit Weintrauben und Käsewürfeln gespickt war. Hoch lebe Retro. Es gab aber auch etwas völlig Neues.
Simones beinahe sechs Jahre alter Sohn durfte erstmalig länger aufbleiben, um mit den „Großen“ seine heißgeliebten Nationalkicker anzufeuern. So lag der Kleine, eingemummelt in eine dicke Decke und bereits den Schlafanzug am Leib, zwischen uns auf dem Sofa. Seine Ohren leuchteten rot vor Aufregung. Und wie das heute bei solchen Großereignissen ist, Fußball alleine geht nicht, Werbung muss sein. So sah Simones Sohn seinen ersten Spot. Den von Media-Markt mit der kleinen Sau und Dirty Harrys Stimme. In dem Spot schaut die Sau einer Kundin im Minirock nach und macht eine Männerwelt-Bemerkung. Am Ende des Spots schaut der Kleine mich an und meint: »Das ist schlecht.«

Irgendwann ging es dann wirklich um Fußball. Als Béla Réthy die Aufstellung nennt, meint Simone, »wieso spielt Lehmann denn nicht?« Mit der Erklärung, er habe eine Erkältung, gibt sie sich nicht zufrieden: »Aber jetzt mal ehrlich, als Torwart kann man doch mit einer Erkältung spielen, oder?« Es ist ihr Sohn, der ihr die Welt erklärt: »Mama, der steckt doch dann alle Fußballer an.«

Etwa 20 Minuten nach Spielbeginn – kurz nach Ballacks Freistoßtor – verkündet Simones Sohn schließlich, »das ist langweilig, ich geh‘ ins Bett.«

Der Kurze hat an diesem Abend wirklich alles richtig gemacht.

Bis dann dann
Eure Vera Chimscholli

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3 Antworten

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  1. eigenart said, on Donnerstag, November 16, 2006 at 12:25

    Und wahrscheinlich weiß er auch, dass die Bewohner Zyperns nicht Zyprer heißen! Vielleicht sollte er mal diesen Béla Réthy anrufen…

  2. verachimscholli said, on Donnerstag, November 16, 2006 at 12:31

    Da habe ich auch gestaunt; vor allem da der gute Béla doch in der Tat etwas von »offizieller Sprachregelung« brabbelte.

  3. eigenart said, on Donnerstag, November 16, 2006 at 13:25

    Oh, da war ich dann noch nicht (oder nicht mehr) dabei.

    Egal. Ich geh jetzt meine irländische Zypresse gießen.


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