Vera Chimscholli ihr sein TextBlog

Vorhin an der Ampel.

Posted in W wie Vera by Vera Chimscholli on Donnerstag, August 3, 2006

Manchmal muss ich einfach raus. Sicherlich wäre es besser, sich in solchen Fällen in Short und Turnschuhe zu schmeißen, um – einzwei, einszwei – eine Runde zu laufen, aber ich setze mich da ganz gerne in meinen alten Golf II. Ihr wisst schon, einer von der Sorte, deren Keilriemen beim Anfahren so Nerven zerfetzend kreischt, dass man wegen Sturzgeburtgefahr nicht in der Nähe von Krankenhäusern fahren darf.
Ich also eben rein ins Möhrchen und runter vom Hof. Doch gleich die zweite Ampel war rot. Gar nicht gut in solchen Momenten. Und dieses Verkehrslicht ist eines von den ganz Gemeinen. Da darf die rechte Spur immer früher losfahren als die linke. Natürlich stand ich in der linken (Guck nicht so vielsagend, Murphy). Überhaupt ist das eine der gemeinsten Kreuzungen, die ich kenne. Vor allem für Fußgänger. Drei Spuren gilt es da zu überqueren. Nach jeder kommt eine dieser Inseln; so was wie das Wupp der Verkehrsplaner. Menschen bis 40 schaffen in der Grünphase die Überquerung zweier Spuren. Vorausgesetzt, sie sind körperlich fit und haben auch die ganze Zeit aufmerksam auf die Ampel gestarrt, damit sie das Erscheinen des Grünmännchens (gibt es dafür eigentlich eine Bezeichnung) nicht verpassen. Wer im rechten Moment den Sehnen- und Muskelapparat aufs Äußerste strapaziert, kann es wirklich hinbekommen. Tschakka. Jenseits der 70 allerdings, bist Du verloren. »Als Rentner hast Du eh Zeit«, hat sich der zuständige Planer wahrscheinlich gedacht und derart knappe Zeiten kalkuliert, dass Silversurfer hier dreimal stehen müssen.
Vorhin stand ich also als Erster an der roten Ampel in der mittleren Spur. Diesen Platz mag ich eigentlich überhaupt nicht. Der erfordert permanente Aufmerksamkeit. Denn einmal nicht hingeguckt und sofort drückt dir jemand bei Grün die Hupe ins Kreuz.
Von der rechten Seite überquerte eine ältere Dame die Straße, auf dem zuvor beschriebenen Ampelweg. Sie war flink unterwegs. Doch beim ersten Wupp war auch für sie Schluss. Da stand sie nun, blickte auf die ihr rot zeigende Ampel und die Autos zu ihrer Linken. Wieder ein Blick auf die Ampel, ein Blick auf die Autos; die Ampel, die Autos, in meine Augen. Ich konnte genau sehen, was sie dachte, und ihr ging es bei mir genau so. Sie blickte noch einmal auf ihre Fußgängerampel, dann sprang mein Licht auf Grün und ich fuhr los. Wir blickten uns noch einmal an und lachten beide lauthals.
An der nächsten Ecke fuhr ich abermals links und rangierte mein Möhrchen zurück auf den Hof. Die Fahrt war lang genug. Mir ging’s wieder prima.
Bis dann dann
Eure Vera Chimscholli

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