Vera Chimscholli ihr sein TextBlog

Verbannt das Ego in die Schreibtischschublade

Posted in Werbung by Vera Chimscholli on Montag, Juli 31, 2006

Duftmarken setzen ist bekanntlich nicht nur im Tierreich ein wichtiges Gebaren, mit dem Nebenbuhlern deutlich gemacht wird, wer man ist, wo man steht und was man drauf hat. Auch bei Menschens findet dieses mit-Faust-auf-behaarte-Brust-schlagen nach wie vor statt. Doch reißt sich dafür niemand mehr die Kleider vom Leib. Unser Tage läuft das anders: Zunächst einmal suchen wir uns ein Unternehmen, das in Größe und Ausdehnung ungefähr der persönlichen Einschätzung über die Qualität des eignen Gemächts entspricht. Im Anschluss picken wir uns eine Abteilung raus, die so etwas wie eine Leuchtturmfunktion übernehmen kann; schließlich sollen es möglichst alle mitbekommen, wer jetzt hier den Max macht. Hernach dann das Allerwichtigste – wir stellen alles vom Vorgänger komplett auf den Kopf. Ohhh, dieses Aroma der Testosteronausschüttung ist noch über Jahre hinweg zu riechen.
Nach diesem oder einem ähnlichen Muster scheinen einige – vornehmlich leider – Herren ins Management und die Marketingabteilungen diverser Unternehmen eingefallen zu sein. Angesichts der großen Zahl wechselnder Markenauftritte drängt sich dieser Verdacht jedenfalls auf. Mit jeder neuen Personalie in relevanten Positionen werden Markenauftritte „überdacht“ und mühsam aufgebaute Markenwerte leichtfertig um- und über Bord geworfen. Mit Markenführung (wunderte mich, dass es drinsteht) und Kontinuität im Auftritt hat das nicht mehr viel gemein.
Nichts ist schlecht an einem Auftritt, den es bereits vor Jahren in ähnlicher Form gab. Vorausgesetzt, die äußere Form ist noch zeitgemäß und die Ausrichtung hat sich nicht vollkommen geändert. Im Gegenteil, es ist wohl das Beste, was einem Unternehmen passieren kann. So neulich erst Jever widerfahren. Da gab es auch diverse Versuche, den inzwischen zugegeben recht betagten Spot um den Wattläufer auszutauschen. Zielgruppe sei Dank, wurde davon allerdings wieder Abstand genommen und der wohl beste Bierspot überhaupt kehrte zurück in die Werbeblocks. Gut, eines ist klar, der Marketingstuhl ist in einem solchen Fall natürlich nichts anderes als die Sänfte eines Lordsiegelbewahrers. Aber auch das Hantieren mit einem derartigen Kommunikationsschatz will erst einmal vernünftig gemacht sein.
Welche Argumente gäbe es denn dafür, einen Hochgeschwindigkeitszug auf dicken Schienen mit klarem Ziel gegen einen zwar schnellen, aber ansonsten völlig klapprigen und schlecht bereiften Sportwagen zu tauschen? Nur die eigenen Cojones, deren Natur es nun mal leider ist, sich überall rein zu hängen – gefragt oder ungefragt. Im Anschluss an das eben viel zu häufig zum Scheitern verurteilte Experiment „ich nutze meine Marke als den Spiegel meiner selbst“, verlassen die Initiatoren im Regelfall das Haus auf der Suche nach dem nächsten Wert, dem sie ihr Ego aufzwängen können.
Und so geht alles wieder von vorne los.
Bis dann dann
Eure Vera Chimscholli

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