Vera Chimscholli ihr sein TextBlog

Freibad ist wie Märchenstunde

Posted in Wie? by Vera Chimscholli on Dienstag, Juli 11, 2006

Ich klebe dieser Tage richtiggehend. Die Sonne kocht alles aus mir raus.
Obwohl mich mein Weg mindestens 15 Mal am Tag ans Waschbecken führt, habe ich andauernd das Gefühl, beim nächsten Versuch nicht mehr die Hand von der Schreibtischplatte lösen zu können. Langsam wird daraus eine Phobie. Neulich erst träumte mir, mein ganzes Bett sei aus dem gleichen Material, wie die Oberfläche meines Schreibtischs. Laken, Bettdecke und Kopfkissen aus Resopal. Keine Bewegung mehr möglich. C.G. Jung hätte dazu sicherlich vieles sagen können. Mir fiel spontan eines ein, nachdem ich endlich wach war: Schwimmen. Das war die Lösung. Handtuch ab in die Tasche, und nach Feierabend Freibad. Offensichtlich hatten andere in der Nacht den gleichen Traum gehabt. Viele andere. Von Bahnen schwimmen war keine Rede mehr. Ich kam nur kachelweise vorwärts, mit Trippelschritten. Da das Wasser aber trotz der Menschenmenge noch erstaunlich kühl war, erfüllte es wenigstens diesen Zweck und meine Kerntemperatur bewegte sich Richtung normal. Zudem nutzte ich die erzwungene senkrechte Schwimmposition dazu, mich ein wenig umzuschauen. Die Bildwelten waren schon erstaunlich. Nach etwa zehn Minuten hatte ich meinen illustrierten Kurzfilm fertig im Kopf zusammengeschnitten. Er ging los mit dem untersetzden Bodybuilder links am Beckenrand, der einen großen Drachen auf dem Schulterblatt hatte. Mit weit ausgebreiteten Flügeln schoss das majestätische Fabeltier auf den sibirischen Tiger im Dekolleté der Mitvierzigerin auf dem Einmeterbrett zu. Doch diese Attacke blieb dem scharfen Blick des grünen Kobolds am Fußknöchel der Teenqueen nicht verborgen und er alarmierte die übrigen Tribalträger ringsum.
Großes Kino. Alles umsonst und draußen.
Nach vielen Jahren des hin-und-her-überlegens bin ich heilfroh, keine Darstellerin in einem dieser Hautfilme geworden zu sein. Es gibt kaum noch eine Tätowierung, die man nicht schon irgendwo einmal gesehen hätte. War es nicht ursprünglich die Absicht der Träger, sich über ein Hautbild vom Gros abheben und unterscheiden zu können? Nun, das Gegenteil scheint eingetreten zu sein. Für die inzwischen recht zahlreichen Tätowierer wird’s mit der Kundschaft wohl auch ein bisschen eng. Und damit sie nicht aus der Übung kommen, brauchen sie in der Zwischenzeit eben andere Flächen. Nur meine kriegen sie nicht mehr.
Bis dann dann
Eure Vera Chimscholli

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: